Vorschau

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    10
    Mrz
    2018
    So
    13
    Mai
    2018
    Kunsthaus, 3800 Interlaken

    Der Vater

    Der Vater

    In seiner Reihe mit Ausstellungen bedeutender Künstler unserer Region zeigt das Kunsthaus Interlaken eine umfassende Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen des wichtigen Malers aus Schwanden bei Brienz.

    Johann Peter Flück entstammt einer alteingesessenen Holzschnitzerfamilie.
    1922 Beendigung des Lehrerseminars und Wegzug nach Leipzig zusammen mit dem angehenden Komponisten Willy Burkhard (1900–1955). Im selben Jahr Beginn der Ausbildung an der Kunstakademie in München.
    1924 Übersiedlung nach Paris; Studium an der Académie Julian, Académie de la Grande Chaumière und an der Académie Lhote. Von der Metropole empfängt er vielfältige künstlerische Anregungen, ohne sich jedoch einer der zeitgenössischen Kunstströmungen anzuschliessen. Den Sommer verbringt er jeweils in seinem Heimatdorf Schwanden bei Brienz, die Wintermonate im eigenen Atelier in Paris.
    1932 heiratet er Nelly Schild. Nach der Geburt seines Sohnes Martin Peter (1935) behält er ständigen Wohnsitz in Schwanden. Freundschaft mit Cuno Amiet und kurzer Aufenthalt auf der Oschwand.
    1946 erste museale Einzelausstellung in Solothurn. Durch Lähmung des rechten Armes ist er gezwungen, mit der linken Hand zu malen.
    Infolge einer tückischen Krankheit stirbt er am 2. Februar 1954 im frühen Alter von 52 Jahren.

    Vom Beginn bis zum Ende seiner Karriere beschäftigt sich Flück mit monumentalen religiösen Kompositionen, die in der Ausstellung erstmals seit langem gezeigt werden. Die moderne Passion nennt er einen grossangelegten Zyklus, dessen Entstehungszeit rund 23 Jahre beträgt. Das auffallendste Merkmal seiner religiösen Malerei, die Adaption des biblischen Geschehens in die Gegenwart, stösst beim zeitgenössischen Publikum auf Kritik. Die Darstellung der Pharisäer in Frack und Zylinder, verbunden mit einer Themenwahl, die Christus als einen gedemütigten, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen zeigt, wurde als direkte Anklage verstanden. Bei der Umsetzung der religiösen Thematik spielt Flücks persönliche Erfahrung eine entscheidende Rolle. Nicht zufällig tauchen diese Gemälde oft im Hintergrund seiner Atelierbilder auf. Letztere zeigen den arbeitenden Künstler inmitten seiner Werke, wobei seine Gestalt sich häufig vor derjenigen von Christus positioniert und so auf eine Identifikation des Künstlers mit dem Leidenden hinweist. Im Werben um Verständnis für seine künstlerische Tätigkeit spiegelt sich der Wunsch Flücks nach gesellschaftlicher Anerkennung und Erfolg bei gleichzeitiger künstlerischer Authentizität.

    Mit Porträtaufträgen bestreitet Flück seinen finanziellen Unterhalt. Die Bildnisse, die er von Dichtern, Künstlern oder Schauspielern schafft, überzeugen in ihrer Erfassung des seelischen und geistigen Gehalts des Gegenübers. Er müsse malen «bis nichts mehr da sei», erklärt er Albert Streich (1897–1960), dessen Abbild er nach den ersten vier Sitzungen immer wieder wegspachtelt.

    Gegen Ende seiner Schaffenszeit entstehen, teilweise mit der linken Hand, eine Reihe von Landschaften, die in reduzierter Farbigkeit die schroffe Bergwelt im Augenblick eines Wetterumschwungs oder eines Jahreszeitenwechsels wiedergibt. Das Formale, Fragen nach Farbe, Form und Technik, hat Flück nie sonderlich interessiert. In diesen späten Landschaften jedoch beginnen sich die festen Umrisse aufzulösen, und sein Pinselstrich erlangt eine Eigenständigkeit und Ausdruckskraft, die den stets dem Gegenständlichen verpflichteten Künstler zum schweizerischen Expressionismus rechnen lassen.

    Quellen: Schwanden bei Brienz, Martin Peter Flück, künstlerischer Nachlass.

    Text: SIK-ART, Regine Fluor-Bürgi

     


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