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Termin Informationen:

  • Sa
    18
    Jun
    2011
    So
    21
    Aug
    2011

    Der leere Raum

    Kunsthaus Interlaken

    Niklaus Stoecklin, Varlin, Heiner Kielholz, George Steinmann, Johannes Rochhausen

    Varlin-AtelierWeb

    Leere Räume sind in der Kunst seit der Moderne semantisch aufgeladene Räume. Im Kunstraum ohne Kunst, wie ihn Yves Klein erstmals 1958 vorstellte, werden die Erwartungen des Publikums auf sich selbst zurückgeworfen. Die Kunsthalle Bern widmete den leeren Räumen vor zwei Jahren eine Retrospektive. Im Kunsthaus Interlaken interpretiert nun der Kurator Heinz Häsler den leeren Raum als leicht melancholischen Stimmungsraum. Gemalte Interieurs vom Maler Niklaus Stoecklin (1896-1982) über Varlin (1900-1977) und Heiner Kielholz (*1942) bis zum Neo-Rauch-Schüler Johannes Rochhausen (*1981) zeigen spärlich möblierte Ateliers, kahle und oft kühle Räume, die es, zumindest im übertragenen Sinne, mit Kunst zu füllen gilt. Auf eine romantische bildhafte Weise klingt hier die Frage nach den Bedingungen der Kunstproduktion an. Als leer im Sinne von offen, mit Bedeutung zu füllen, wird auch der Naturraum gedacht. So baut der in Bern lebende George Steinmann (*1950) in Saxeten eine Fussgängerbrücke und eine Klause, die Wanderer in besinnliche Leere führen. Die dreiteilige Intervention ‹Das Werk Saxeten›, 2002-2006, die durch eine Fotoserie abgerundet wird, nimmt eine zentrale Position in der Ausstellung ein und wird erstmals umfassend im Kanton Bern präsentiert.

     

    Alice Henkes (Kunst Bulletin)

    Unbehaglich frei im leeren Raum
    Von Sibylle Hunziker
    Bis zum 21. August zeigt das Kunsthaus «Der leere Raum», eine Ausstellung mit Bildern und Installationen von Varlin bis Johannes Rochhausen.

    «Eigentlich ist der Titel ‹Der leere Raum› eine Mogelpackung», sagte Harald Kraemer, Kunsthistoriker der Zürcher Hochschule der Künste, zur Vernissage im Kunsthaus Interlaken vom Samstag. «Denn die Räume im Kunsthaus sind keineswegs leer, sondern schütten ein Füllhorn von Seh-Abenteuern über den Besuchern aus.» Nun mogelt aber Kunsthaus-Kurator Heinz Häsler natürlich nicht wirklich. Die «Abenteuer», zu denen die Bilder und Installationen einladen, drehen sich allesamt um die Leere, die der moderne Mensch schafft, vor der er sich fürchtet und der er in versöhnlichen Momenten auch etwas Glück und Freiheit abgewinnen kann. Und sie tun das frei nach Peter Brook so, dass ein guter Künstler aus jedem Gegenstand ein spannendes Werk machen kann – und sei der Gegenstand noch so unspektakulär.

    Fünf Blicke auf die Moderne

    Die Ausstellung ist ein Streifzug durch die moderne Kunst des 20. und 21.Jahrhunderts, die sich nicht vom Gegenständlichen abwandte und deshalb oft als Anachronismus wahrgenommen wurde. Kunsthistoriker Kraemer begann seine Einführung deshalb auch mit dem Basler Maler Niklaus Stöcklin, dem grossen Vertreter der «neuen Sachlichkeit», der sich aber mit Plakat- und Briefmarkenentwürfen über Wasser halten musste. Seine Bilder im Kunsthaus zeigen die Einsamkeit des Menschen in der modernen Welt – auch wenn die Sonnenstrahlen über seinem Eiffelturm, der Ikone dieser Moderne, aus den Wolken brechen wie das göttliche Licht auf einem Renaissance-Altar.

    In die knappest mögliche Form bringt der aus dem Aargau stammende Heiner Kielholz, was er seine Dinge zum Abwesenden sagen lässt – etwa mit dem Stillleben vom umgestürzten Kerzenhalter, der keine Kerze mehr hält.

    Mit Kielholz' Nüchternheit kontrastieren die bedrohlich finsteren Bilder des jungen Johannes Rochhausen aus Leipzig. Vor allen Fenstern ist es dunkel, drinnen ist es schrecklich leer, und besonders die grossformatigen «Atelieransichten» vermitteln mehr als nur Unbehagen.

    «Das existenzielle Unbehagen teilt Rochhausen mit Varlin», sagte Kraemer. Und auch wenn Werken wie etwa dem «Nachttisch mit Nachttopf» von 1942 oder dem Stillleben mit Schuh und Stendals «De l'Amour» der Schalk im Nacken sitzt, so sind Varlins Bilder doch «beunruhigende Abbilder unserer eigenen Innenräume».

    Versöhnlich in Saxeten

    Zur Versöhnung mit den eigenen Innenräumen lädt schliesslich George Steinmanns «Werk Saxeten» ein: eine Brücke und eine Klause aus Holz, die Besucher einladen, sich die Ruhe für Besinnlichkeit zu nehmen – und sich auf ihre Freiräume zu besinnen, die ihnen auch erlauben, aufeinander zuzugehen. Leere Räume für die Ohren schuf an der Vernissage Jan Brönnimann mit Klängen und Echos aus Saxofon und Elektronik.
    (Berner Oberländer)

    Der leere Raum

    Werke vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart im Kunsthaus Interlaken

    Das Kunsthaus Interlaken zeigt Werke aus dem 20. Jahrhundert zum Thema Raum.

    Die Ausstellung «Der leere Raum» im Kunsthaus Interlaken umfasst Gemälde zu klassischen Bildgattungen wie Interieur und Stillleben. Zudem wird eine multimediale Installation von George Steinmann zum Werk Saxeten gezeigt. Begriffe wie Melancholie, Magie, Stille und Leere umschreiben die Werke, die verschiedene Positionen zum Thema Raum vom 20. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart offenbaren. Im Fokus stehen Schweizer Maler des 20. Jahrhunderts wie Niklaus Stoecklin, einem der bedeutendsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit, der Biennale-Vertreter Varlin, Arbeiten von Heiner Kielholz, das Werk Saxeten – eine multimediale Installation des international tätigen Künstlers George Steinmann – und Malerei von Johannes Rochhausen, einem der Hauptvertreter der Leipziger Schule und Meisterschüler von Neo Rauch.

    (Jungfrau Zeitung)

     


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